Liste unabhängiger Studierender (LuSt)

Die LuSt ist seit über zehn Jahren im StuPa vertreten und mit 8 Sitzen derzeit stärkste Kraft im Parlament. Wir haben mit ihnen über ihr Selbstverständnis, ihre Forderungen und ihre Arbeit an, für, mit und trotz der Uni gesprochen.

Ihre Selbstdarstellung zur Wahl 2018 findet ihr ab S. 21 in der Wahlbroschüre des studentisches Wahlvorstandes.

Interview


Über die LuSt sprachen wir mit Johannes Roeder (37, 11. Semester B.A. Altgriechisch/ Theologie, 2. Semester M.Sc. Wirtschaftsrecht) und Jakob Hoffmann (28, 7. Semester B.Sc. Informatik) in Vertretung ihrer Liste.

1. Es geht darum euch kennenzulernen: Wofür steht allgemein „Liste unabhängiger Studierender – LuSt“?
Wir sind unabhängig und parteilos. Letzteres spielt darauf an, dass wir kein Sprungbrett für die Karriere parteinaher Leute sein wollen. Unser Engagement soll am Interesse der Studierenden orientiert sein. Wir wollen themenübergreifend sein und die gesamte Struktur des StuPa mitsamt allen daraus resultierenden Aufgaben und Verantwortlichkeiten (wie dem Haushalt, dem Beratungssystem, der Initiativenunterstützung, dem Semesterticket und weiteres) berücksichtigen. Das Beratungssystem und die Initiativenunterstützung halten wir aktuell für gut, da es solidarisch und fair aufgebaut ist. Wir wollen es erhalten, stärken und ausbauen, auch wenn es immer Verbesserungsmöglichkeiten gibt.
Wir wollen mehr Initiativen fördern, die Studierenden zugute kommen, ihnen ermöglichen über den Tellerrand zu gucken und sich für ihr Fach interessieren und engagieren zu können.
Unser Vorteil ist, dass wir als Liste in der Selbstverwaltung der Uni doppelt drin sind: Einerseits in der studentischen, zu der StuPa und RefRat gehören, andererseits in der akademischen, zu der Gremien wie die Kommission für Lehre und Studium oder der Haushaltsausschuss gehören. Mit unserer Erfahrung, dem Zugang zu Informationen und unserer langen Arbeit in diesen Gremien können wir auch ausmachen, wie wir uns und studentische Interessen einbringen können.

2. Wie lange ist „LuSt“ schon aktiv an der HU?
Die LuSt war 2005 schon aktiv, 2006 gab es aber eine Pause. 2007 wurde sie neu gegründet und tritt seitdem jährlich an.

3. Wofür habt Ihr euch im aktuellen StuPa engagiert, z.B. Projekte, Anträge? Was habt Ihr erreicht?
Ganz konkret neue Projekte oder Initiativen angestoßen haben wir nicht, dafür aber bestehende Initiativen unterstützt. Zum Beispiel haben wir in den letzten drei Jahre beim Aufbau der „Röhre“ des Studentischen Begegnungszentrums „MoPs“ in Adlershof mitgemacht, die dieses Jahr eröffnet wurde und deren technische Ausstattung das StuPa finanziert hat.
Dieses Jahr haben wir keine konkreten Anträge gestellt. Wir waren allerdings immer vollständig mit unseren 8 Sitzen in StuPa-Sitzungen anwesend und haben mit dem weitergemacht, was wir auch sonst gemacht haben. Vor allem die „Struktursachen“ ziehen viel Energie: Leute von uns sind im Präsidium das StuPa vertreten, was ein ziemlich großer Aufwand ist, oder sehr aktiv im RefRat.

4. Der studentische Wahlvorstand veröffentlicht zu jeder Wahl die Selbstdarstellung der Listen, so auch 2017 und 2018. Folgende Fragen haben wir zu Eurem Wahlprogramm:

4.1 Wie wollt Ihr eure zahlreichen Forderungen umsetzen?
Wir müssen zugeben, der Text ist etwas wust und eine Sammlung von allem, was man so fordern könnte. Wir haben ihn lang nicht mehr wesentlich überarbeitet. Viele Themen sind als Wahlprogramm für eine Liste eigentlich schwierig, da das StuPa nicht zuständig und die Umsetzung damit nicht möglich ist. Zum Beispiel können Studienordnungen nicht vom StuPa reformiert oder Platz zum urban gardening für eine Fachschaft in Adlershof nicht durch das StuPa angeordnet werden. Daher setzen wir unsere Forderungen unter anderem durch die Kooperation mit dem RefRat, unabhängig von der Liste im Eigenengagement oder der Kooperation mit Initiativen um – denn wir sind froh, wenn unser Ziel erreicht ist, auch wenn wir es nicht als Listenverdienst ausgeben können. Es sind eben meist auch keine Forderungen mit einem klar bestimmbaren Ende, klaren Schritten zum Ziel oder sicherem Aussicht auf Erfolg. Daher haben wir kein abzuarbeitendes Wahlprogramm mit Häkchen am Ende; sondern Grundprinzipien und Ideale, die wir verfolgen und an denen wir unser Handeln und unsere Arbeit orientieren bis sie letztendlich einmal umgesetzt sind.

4.2 Ihr fordert Transparenz in den Gremien und Ihr seid seit sieben Jahren im StuPa vertreten. Warum ist noch nichts passiert in dem Bereich?
Es ist eine Frage von Verantwortlichkeit, die Leute zu informieren. Das Problem dabei ist, dass es niemandes Aufgabe ist, das StuPa als Organ zu präsentieren. Das StuPa ist im Grunde der Zusammenschluss aus Listen, von denen keine einzelne also die Verantwortung dazu hat.
Das Präsidium ist per rechtlicher Grundlage in seinen Aufgaben beschränkt und kümmert sich eher um die „Geschäfte“ des StuPa, wie der Sitzungsleitung oder der Pflege der Webseiten des StuPa. Da wir nicht jährlich jeden Link der Website neu prüfen, kann bei veralteten Links oder Ähnlichem gern ans Präsidium geschrieben werden.
Da sich das StuPa jedes Jahr verändert zusammensetzt, ist es schwer, die Präsentation nach außen immer neu aus sich selbst heraus zu organisieren. Wir müssten dazu also Personen finden.

4.3 Wie wollt Ihr ein kostenloses Semesterticket umsetzen? Warum habt Ihr euch bisher nicht wenigstens für eine Senkung des Preises in den Verhandlungen eingesetzt?
Dies ist wieder eine indirekte Forderung, die ans StuPa gerichtet ist. Als einzelne StuPa-Liste ist dieses Ziel nicht erreichbar. Ein Semesterticket-Verhandlungs-Beauftragter wird vom StuPa entsendet. Aktuell begleitet jemand vom Finanzreferat die HU-Verhandlungen mit dem VBB, deren Runden sich sehr schwer bezüglich eines günstigeren oder umfassendereren Semestertickets gestalten. Das Argument dafür, dass das Ticket für Berliner Studis teurer als für Brandenburger ist, lautet, dass die Infrastrukturerhaltung in Berlin aufgrund der Verkehrsdichte viel teurer ist. Da Studis es häufig nutzen, sollen die Kosten direkt an sie weitergegeben werden. Unsere Forderung macht als Ideal für unser Handeln aber weiterhin Sinn. Übrigens ist momentan ein (teil-)kostenfreies Semesterticket, durch Erstattung auf Nachweis (beim Semesterticketbüro) möglich; aber eben leider noch nicht von vornherein für alle.

4.4 Bei allen StuPa-Listen haben wir auf unserer Webseite die jeweiligen Kandidierenden genannt. Ihr wollt das nicht. Warum?
Inszenierung von einzelnen Personen ist für uns problematisch. Personenwahlkampf führt zu nichts, lieber soll sich konkret aktiv engagiert werden. Wir wollen nicht, dass es am Ende darum geht, wie einzelne Personen überzeugen können, sondern gemeinsam als Liste auftreten. Na klar stehen Leute hinter der Liste, aber es soll um die Sache gehen, wegen der wir uns zusammengefunden haben. Die Liste soll als anonymes Gesicht und kritische Stimme für alle Leute stehen, die selbst nicht die Zeit oder Möglichkeiten haben, sich zu engagieren.

5. Das 25. StuPa geht seinem Ende entgegen. Wie zufrieden seid Ihr mit der vergangenen Legislaturperiode?
Wir sind zufrieden. Es gab zu wenig Zeit für Einzelanträge, da wir mit unserer Arbeit im „laufenden Geschäft“ der Uni und dem eigenem Studium sehr beschäftigt waren. Wir fanden die Atmosphäre im StuPa im Vergleich zu vorigen Jahren, was emotionales Auslassen angeht, zufriedenstellender. Das Ausprobieren der Redezeitbegrenzung war sehr hilfreich.

6. Im aktuellen StuPa gibt es insgesamt 18 unterschiedliche Listen, für das nächste kandidieren 23. Warum sollten die Studierenden bei der kommenden Wahl eure Liste wählen? Wofür werdet Ihr euch einsetzen?
Weil wir uns dafür einsetzen, dass die Sachen, die gut laufen, auch weiter gut laufen und dafür sorgen, dass sie weiter laufen können. Wir wollen den Strukturausbau an der Uni prostudentisch gestalten. Grundsätzlich versuchen wir, uns Grundsätze zu setzen und diese zu verfolgen. Wir sind keine Slogan-Partei, die mit ein paar direkten Forderungen antritt, sie abarbeitet und danach aufhört. Solange die Uni mit ihren Studierenden nicht gut umgeht, machen wir weiter.

7. StuPa, RefRat und Fachschaften erhalten unter anderem über die Beiträge der Studierenden zusammen rund 780.000 €, ein Drittel davon steht dem StuPa zur Verfügung. Wie wollt Ihr dieses Geld einsetzen?
Ein Großteil dieses Geldes ist immer schon für die Personalkosten verplant. Dazu zählen zum Beispiel die Aufwandsentschädigungen für den Kinderladen oder die Sozialberatungsstellen, die Kosten für Technik und den Medienraum. Damit bleibt gar nicht mehr so viel Rest übrig.
Ganz konkret würden wir die „Röhre“ in Adlershof weiterhin finanziell unterstützen, sodass diese weiter auf- und ausgebaut werden kann. Im Zuge des kommenden Umzugs wird auch der hubSchrauber, die Fahrrad-Selbsthilfe-Werkstatt der HU in Mitte, Geld benötigen. Sinnvolle Verwendung von Geldern wäre auch die finanzielle Unterstützung von Fachschaftsfahrten und deren Soli-Rückerstattungsmöglichkeiten, da sie zurzeit etwas teurer sind. Ansonsten wollen wir schauen, was kommt und auch andere Sachen, die kein Geld kosten, machen.

8. Bei der Wahl zum StuPa 2017 haben sich nur 7 % der Studierenden beteiligt. Warum sollten Studierende an der Wahl zum StuPa 2018 teilnehmen? Was können sie damit beeinflussen?
Die Stimme entscheidet über die Entscheidungen im StuPa mit. Mit dem Geld sind Sachen anstoßbar und Leuten, zum Beispiel in Fachschaften, kann der Rücken freigehalten werden, die sich damit um Alltagsanliegen kümmern können. Studierende können mir ihrer Stimme die Arbeitsweise des StuPa beeinflussen, das Ansprechpunkt für alle studentischen Gremien ist. Außerdem können sie den Erhalt und Ausbau der pro-studentischen Strukturen an der HU beeinflussen, dass viele tolle Projekte an der Uni bestehen oder Technik und Geräte bereitgestellt werden können.
Wir sehen die Wahlbeteiligung übrigens lieber positiv: 2.000 bis 3.000 Leute, die wählen gehen, sich interessieren und damit aktiv sind, sind auch viel wert. Wir freuen uns über mehr Wahlbeteiligung, aber die ist eben auch nicht alles. Stattdessen ist es uns wichtiger, dass sich Leute vor Ort im Studienalltag bei den Studierenden einsetzen, etwas umsetzen und den Profs widersprechen, als sich aufs StuPa als einem Organ zu konzentrieren. Dieses kann durchaus etwas in Richtung gesamter Universität und allgemeiner Studierbarkeit beeinflussen, aber dem Studienalltag bringt es nicht immer so viel. Was auf kleinerer Ebene geschieht aber schon.

Kandidierende

Normalerweise nennen wir an dieser Stelle die einzelnen Kandidierenden der jeweiligen Liste. Die LuSt-Mitglieder haben uns aber darum gebeten, dies bei Ihnen nicht zu tun. Grund dafür ist unter anderem, dass sie Vorbehalte dagegen haben, wenn ihre Namen oder Fotos im Internet auftauchen. Weitere Gründe für ihre Entscheidung könnt ihr unter 4.4 im Interview nachlesen.

Für Interessierte ist die Auflistung der Kandidierenden auf dem Muster-Stimmzettel zur Wahl (auf der Website des studentischen Wahlvorstandes) einsehbar.

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