Die Schwule Liste (SchwuLis)

Zum vierten Mal bewirbt sich diese Liste für das StuPa. Derzeit sind sie mit zwei Sitzen im Parlament vertreten und sprechen im Interview unter anderem über die Alltagsdiskriminierung LGBTI-Leuten.

Ihre Selbstdarstellung zur Wahl 2018 findet ihr ab S. 20 in der Wahlbroschüre des studentisches Wahlvorstandes.

Telefonisches Interview mit Tim

Tim Rössig (22), studiert den Bachelor Sozialwissenschaften im 5. Semester.

1. Es geht darum euch kennenzulernen: Wofür steht allgemein „Schwule Liste – Die SchwuLis“?
Wir sind eine bunte Gruppe aus Schwulen, Bisexuellen und Tunten und gehören unterschiedlichen politischen Gruppen an. Wir bekämpfen Stigmatisierung und Diskriminiereung, setzen uns für die Sichtbarkeit von marginalisierten Gruppen und gegen Klischees ein und versuchen so, eine möglichst offene Atmosphäre für alle Studierende zu schaffen.

2. Wie lange ist „Die SchwuLis“ schon aktiv an der HU?
Entstanden sind wir aus der LGBT*I-Gruppe mutvilla, die sich auch für schwule Themen einsetzte. Seit wann es uns gibt, wissen wir selber nicht mehr so genau. Wir vermuten seit 2013, weil es seitdem die Liste Mutvilla nicht mehr gibt.

3. Wofür habt Ihr euch im aktuellen StuPa engagiert, z.B. Projekte, Anträge? Was habt Ihr erreicht?
Wir haben uns in der ersten Sitzung für die Redeliste engagiert, also die Reihenfolge, in der sich Redner*innen im StuPa zu Themen äußern können. Diese wurde angenommen. Mit ihr wollen wir erreichen, dass alle sich beteiligen können und niemand eingeschüchtert ist. Das Problem ist, dass es ein männlich dominiertes Redeverhalten gibt: Männer sprechen besonders viel in politischen Räumen. Das soll auch für Menschen möglich sein, die sich nicht als männlich definieren. Durch die Erweiterung der Regel sollen auch Sichtweisen dargelegt werden von nicht-männlichen Personen. Es sprechen jetzt abwechselnd eine männliche und eine nichtmännliche Person.
Außerdem gibt es eine Veranstaltungsreihe des LGBTI-Referats, eine Veranstaltungsreihe zum Thema: Sexualität und Psychoanalyse.
Ansonsten haben wir Anträge von anderen Listen unterstützt, beispielsweise die Finanzierung der Chorfahrt, die Fahrt zur Landesastenkonferenz und die Solidarisierung mit dem besetzten Institut für Sozialwissenschaften im Januar 2017.

4. Der studentische Wahlvorstand veröffentlicht zu jeder Wahl die Selbstdarstellung der Listen, so auch im letzten Jahr (2017). Folgende Fragen haben wir zu Eurem Wahlprogramm:

4.1 Im StuPa gibt es auch die „Queer-feministische LGBT*I*Q-Liste“ [Link]. Worin besteht der Unterschied zwischen euch und dieser Liste?
Es geht dabei um eine unterschiedliche Auffassung von Sexualität. Ich denke, die LGBT*I*Q-Liste will sich von der sexuellen Identität lösen und sieht sich als queerfeministisch. In der SchwuLis hingegen definieren wir uns über eine klare sexuelle Identität. Bei uns findet man daher Schwule, Inter und Transpersonen.

4.2 Ihr sprecht in eurem Wahlprogramm von „pervers-queeren Studierenden“. Wer gehört für euch dazu?
Das sind für uns alle Studierende, die sich nicht einer normativen Vorstellung von Sexualität zuordnen. Es gibt gesellschaftliche Konventionen die bestimmen, wie Menschen Sex haben sollen. Uns ist es egal welche sexuellen Vorstellungen jemand hat und welche Geschlechtspartner. Das Wort „pervers“ ist, wie auch die Bezeichnung „Tunten“, in LGBT*I*Q-Kreisen nicht negativ besetzt. Wir greifen diese ursprünglich abwertend gemeinten Begriffe auf und deuten diese um.

4.3 Ihr fordert „mehr Sichtbarkeit nichtheterosexueller L(i)ebensweisen an der Uni“. Wie sollen diese eurer Ansicht nach sichtbar gemacht werden?
Das ist eine große Herausforderung für LGBTI, denn wir sind oft mit Diskriminierung konfrontiert: Wenn ich zum Beispiel mit meinem Partner über den Campus gehe, gibt es Probleme. Wir haben letztes Jahr Wahlinformationen an eine Informatikgruppe verschickt und einen Link mit Informationen zur Heilung von Schwulen erhalten. Ich persönlich würde nicht als Tunte über den Campus laufen, weil ich Angst haben müsste, angefeindet zu werden. Für diese Probleme möchten wir gerne ein Bewusstsein herstellen.

4.4 Wie wollt ihr für mehr Akzeptanz vielfältiger Lebensentwürfe sorgen?
Wir haben die Queer-Gruppe mitgegründet, bei der es darum geht, LGBT*I*Q-Leute zu vernetzen. Denn wenn man neu nach Berlin kommt, kennt man wenige Leute. Daher soll es einen Raum geben, in dem man die Möglichkeit hat, sich kennen zu lernen.

4.5 Wollt ihr auch von heterosexuellen Studierenden gewählt werden?
Wir sind für alle Studierende wählbar, aber besonders für Studierende, die nicht heterosexuell sind. Wir wollen vor allem für marginalisierte Gruppen da sein, zum Beispiel auch für Studierende mit Kind und für Studierende die nicht aus Deutschland kommen. Wir sind für ein buntes Leben auf dem Campus!

5. Das 25. StuPa geht seinem Ende entgegen. Wie zufrieden seid Ihr mit der vergangenen Legislaturperiode?
Natürlich gibt es immer wieder Sachen, die man verbessern kann, aber insgesamt sind wir relativ zufrieden, denn es gab einige Anträge die wir unterstützt haben. Die Ausmaße der Transparenzdebatte fanden wir sehr interessant und, dass Fragen aufgekommen sind, wie: „Wo gehen die Gelder des StuPa hin?“ und „Was wird im StuPa beschlossen?“.

6. Für das kommende StuPa kandidieren insgesamt 23 unterschiedliche Listen. Warum sollten die Studierenden bei der kommenden Wahl eure Liste wählen? Wofür werdet Ihr euch einsetzen?
Wir werden uns einsetzen für die Akzeptanz von vielfältigen Liebens- und Lebensentwürfen.
Außerdem für einfachere Masterzulassungsbedingungen, denn oftmals ist es schwierig, nach dem Bachelor mit dem Master an der HU fortzufahren.
Wir wollen uns dafür einsetzen, dass Fachschaften diverser werden und viele unterschiedliche Studierende daran teilnehmen können. Denn uns ist aufgefallen, dass es in Fachschaften bestimmte Typen von Leuten gibt. In der Jurafachschaft gibt es zum Beispiel eine begrenzte Zahl für Teilnehmerinnen. Wir wollen, dass mehr nichtmännliche Personen vertreten sind und unterschiedliche Interessen repräsentiert werden.

7. StuPa, RefRat und Fachschaften erhalten unter anderem über die Beiträge der Studierenden zusammen rund 780.000 €, ein Drittel davon steht dem StuPa zur Verfügung. Wie wollt Ihr dieses Geld einsetzen?
An der Verwendung des Geldes würden wir nichts ändern, also es für Dinge ausgeben, die das soziale Leben fördern, wie die ErstiParties und Orientierungswochen für Erstsemester, dass Studis einen guten Start haben und sich untereinander vernetzen können.
Außerdem würden wir weiterhin das Geld für die Erweiterung des universitären Angebotes einsetzen, also Veranstaltungen organisieren, zum Beispiel zu LGBTI-Themen. Denn es wäre schön, wenn sich Studierende auch mit Themen beschäftigen können, die nicht in den Vorlesungen auftauchen.
Wir wollen weiterhin die Arbeit des RefRat’s unterstützen, dessen Beratungen sehr viel für Studierende tun. Die Liste „Gegen Beitragsverschwendung!“ hatte sich aufgeregt, dass das queerfeministische Referat unterstützt wird. Aber dort gibt es wichtige Ansprechpartner*innen, um die Probleme von LGBT*I’s zu besprechen. Außerdem wollen wir die Fachschaften unterstützen, weil diese auf kleiner Ebene agieren und besser wissen, was die Studierenden konkret brauchen.

8. Bei der Wahl zum StuPa 2017 haben sich nur 7 % der Studierenden beteiligt. Warum sollten Studierende an der Wahl zum StuPa 2018 teilnehmen? Was können sie damit beeinflussen?
Nach der Wahl 2017 hatten wir uns sehr über unsere zwei Sitze im StuPa gefreut, waren aber auch sehr enttäuscht über die geringe Wahlbeteiligung. Denn das StuPa ist ein wichtiger Ort um studienrelevante Entscheidungen zu treffen und die Studiensituation insgesamt und für alle Studierende zu verbessern. Dort findet ein wichtiger demokratischer Austausch zwischen Studierende aus unterschiedlichen Fachbereichen statt.

Kandidierende

  1. Johannes Gril, Sozialwissenschaften
  2. Guillem Schaal Moreno, Biologie
  3. Fabio Almurtada, Rechtswissenschaften
  4. Sascha Watermann, Bibliotheks- und Informationswissenschaften
  5. Tim Rössig, Sozialwissenschaften
  6. Patrick Henze, Gender Studies
  7. Tom Kaven, Philosophie/ Ethik/ Latein
  8. Grzegorz Antkiewicz, Volkswirtschaftslehre