Säkular-humanistische Liste (SHL)


Diese Liste kandidiert 2018 zum zweiten Mal für das StuPa und ist schon lange als Hochschulgruppe an der HU aktiv. Derzeit hat die SHL zwei Sitze im Parlament. Im Interview sprechen wir mit der Spitzenkandidatin über die Ziele der Liste, ihre Position zur Theologischen und Islamischen Fakultät und Probleme im StuPa.

Ihre Selbstdarstellung zur Wahl 2018 findet ihr ab S. 7 in der Wahlbroschüre des studentisches Wahlvorstandes.

Interview mit Laura


Laura Wartschinski (23), studiert an der HU im 3. Semester den Master Informatik.

1. Es geht darum euch kennenzulernen: Wofür steht allgemein eure Liste?
Wir sind sowohl eine Hochschulgruppe als auch eine StuPa-Liste. Als Hochschulgruppe setzen wir uns für Menschenrechte, Kritischen Rationalismus, Humanismus und Aufklärung ein. Im vergangenen Semester organisierten wir z.B. Veranstaltungen zum Antisemitismus Luthers, zum Thema gentechnisch veränderte Lebensmittel und zur Menschenrechtslage in Nordkorea. Die StuPa-Liste ist ein Teil der Arbeit der Hochschulgruppe. Im StuPa sind wir spezialisierter und dort ist es unsere erste Verantwortlichkeit, drängende Probleme der Studierenden anzugehen.

2. Wie lange ist eure Liste schon aktiv an der HU?
Ursprünglich haben wir an der Uni einfach als humanistische Hochschulgruppe an unseren Projekten und Veranstaltungen gearbeitet. Da wir aber 2016 mit dem RefRat Schwierigkeiten in der Raumorganisation bekamen, da die damaligen Referenten Humanismus für ein Konzept alter weißer Männer etc. hielten, wurden wir auf die Hochschulpolitik näher aufmerksam. Wir begannen, uns für mehr Demokratie und Transparenz einzusetzen und uns selbst auch als Liste zur Wahl zu stellen.

3. Wofür habt Ihr euch im aktuellen StuPa engagiert, z.B. Projekte und Anträge? Was habt Ihr erreicht?
Wir haben mehrere Anträge gestellt und unterstützt:
1. Wir haben transparente Kriterien für die Anerkennung von Initiativen und die Raumvergabe für Veranstaltungen gefordert. Bisher geschieht das willkürlich nach persönlichen Vorlieben im StuPa. Der Antrag wurde leider ohne sachliche Debatte abgelehnt.
2. Ein Antrag zur Einrichtung einer Arbeitsgruppe zur Erhöhung der Wahlbeteiligung wurde ebenfalls nicht angenommen.
3. Allgemein setzen wir uns für mehr Öffentlichkeitsarbeit des StuPa ein. Daher hatten wir den Antrag gestellt, den Studierenden regelmäßige Berichte aus dem StuPa zur Verfügung zu stellen. Das wurde, unserer Ansicht nach, aus größtenteils relativ fadenscheinigen, formalen Gründen abgelehnt. Seitdem veröffentlichen wir auf unserer eigenen Webseite Sitzungs-Kurzberichte mit kritischen Elementen.
4. Wir haben den Antrag vom RCDS zur Einführung einer Bibliotheks-Ampel unterstützt.
5. Zusammen mit Power of Science stellten wir einen Antrag für eine Sitzungsort-Rotation, um zu erreichen, dass das Parlament nicht nur in Mitte, sondern auch in Adlershof und an der Charité tagt. Der Antrag wurde aber ebenfalls ohne ernsthafte Gegenargumente abgelehnt.

4. Der studentische Wahlvorstand veröffentlicht zu jeder Wahl die Selbstdarstellung der Listen, so auch 2017. Folgende Fragen haben wir zu Eurem Wahlprogramm:

4.1 Ihr fordert eine säkulare Hochschule und kritisiert die Theologische Fakultät. Ist es euer Ziel, dass diese Fakultät aufgelöst wird?
Unser Ziel ist die Auslösung einer Debatte darüber, ob und wie Theologie an einer Universität gelehrt werden sollte. Theologie geht von einer prinzipiell nicht widerlegbaren Grundprämisse – nämlich der Existenz des jeweils offenbarten Gottes – aus. Zudem verfügen die Kirchen über starke Mitbestimmungsrechte in der Ernennung der Professoren und können diese sogar im Falle von ihnen nicht genehmen Äußerungen absetzen. Dies ist mit einem sinnvollen Wissenschaftsbegriff schlicht nicht vereinbar. Wir haben das Thema im Rahmen einer Podiumsdiskussion mit Vertretern der theologischen Fakultät im Sommer erläutert und hoffen, dass wir den so entstandenen, außerordentlich fairen, interessanten und respektvollen Diskurs mit den Theologie-Studentinnen fortführen können.

4.2 An der HU soll ein Institut für Islamische Theologie eingerichtet werden. Wie steht die SHL dazu?
Das kommt darauf an, ob dort tatsächlich wissenschaftlich geforscht wird. Wenn der Frage nachgegangen wird, wie ein nach dem Islam oder Koran ausgerichtetes Leben aussehen müsste, fänden wir das nicht unterstützenswert. Herauszufinden, was der göttliche Wille ist, damit kann sich gerne im Privaten, in Moscheen oder Zirkeln für Gelehrte auseinandergesetzt werden. Für eine staatliche Förderung wäre für uns eine objektiv-wissenschaftliche Herangehensweise nötig. Grundsätzlich ist die Religion als Subjekt der Wissenschaft sehr spannend, wie z.B. in den Religionswissenschaften.

4.3 Laut eurer Wahlwerbung von 2017 wollt Ihr euch dafür einsetzen, dass der universitäre Diskurs freier wird. Was läuft hier eures Erachtens nach momentan falsch?
Ein Beispiel ist der Umgang im StuPa mit dem Antrag zur Anerkennung von Initiativen. Studentische Gruppen, die nicht der politischen Sichtweise der rückschrittlichen Mehrheit des StuPa entsprechen, werden nicht anerkannt. Das finden wir nicht gut. Denn auch wenn die Ansichten einer anderen Initiative als falsch oder gar schädlich wahrgenommen werden, rechtfertigt dies keine Einschränkung des universitären Diskurses. Jede auf dem Boden des Grundgesetzes stehende Gruppe sollte das Recht haben, ihre Positionen an der HU ohne Angst vorbringen zu dürfen.

5. Das 25. StuPa geht seinem Ende entgegen. Wie zufrieden seid Ihr mit der vergangenen Legislaturperiode?
Wir sind einerseits nicht zufrieden, denn es war für uns ernüchternd, dass alle unsere Anträge abgelehnt wurden – und das in den seltensten Fällen auf der Basis sachlicher Kritik. Schockierend war für uns die Einstellung einzelner Personen im StuPa gegenüber Studierenden, also denen, die dort eigentlich vertreten werden sollten. Sie werden in vielen Fällen nicht ernst genommen, studentische Initiativen werden aus persönlichen Ressentiments heraus abgeschmettert und den Studierenden wird unterstellt, sie seien desinteressiert an der Hochschulpolitik und verdienten daher keine vernünftige Information. Diese Haltung muss sich ändern.
Wir sind aber auch zufrieden, weil wir viel über die Strukturen im StuPa gelernt haben, wir kennen uns jetzt aus und wissen, was genau wir verbessern wollen. Wir haben viele vernünftige Leute getroffen, mit denen wir gut zusammengearbeitet haben. Unsere Parlamentsberichte haben ein großes Publikum erreicht und so zu etwas mehr Transparenz beigetragen. Wir sind optimistisch für die kommende Wahl und hoffen auf eine konstruktive Mehrheit im nächsten StuPa.

6. Im aktuellen StuPa gibt es insgesamt 18 unterschiedliche Listen. Warum sollten die Studierenden bei der kommenden Wahl eure Liste wählen? Wofür werdet Ihr euch einsetzen?
Uns ist vor allem wichtig, dass Studierende sich für eine Liste entscheiden, die sich für die Reform des StuPa hin zu Verantwortungsgefühl, Pragmatismus und Vernunft einsetzt. Uns speziell sollte man wählen, wenn man sich mit den Tätigkeiten unserer Hochschulgruppe identifizieren kann, also mit den Themen Menschenrechte, Humanismus, Kritischer Rationalismus, Meinungsfreiheit und Aufklärung.

7. StuPa, RefRat und Fachschaften erhalten unter anderem über die Beiträge der Studierenden zusammen über rund 780.000 €, ein Drittel davon steht dem StuPa zur Verfügung. Wie wollt Ihr dieses Geld einsetzen?
Zunächst wollen wir regelmäßig eine klare Aufschlüsslung der Ausgaben online stellen, um die Nachvollziehbarkeit für alle Studierenden gewährleisten zu können. Wir halten es für sinnvoll, benachteiligte Studierende finanziell weiter zu unterstützen. Wir würden Beratungsangebote erweitern und eventuell studentische Initiativen und Projekte fördern. Einsparungen würden wir unter anderem beim enorm großen Budget für Veranstaltungen vornehmen, indem zum Beispiel andere Finanzierungsmöglichkeiten berücksichtigt werden. Außerdem wollen wir außerordentliche Referate nur dann bezahlen, wenn sie auch tatsächliche Arbeit leisten.

8. Bei der Wahl zum StuPa 2017 haben sich nur 7 % der Studierenden beteiligt. Warum sollten Studierende an der Wahl zum StuPa 2018 teilnehmen? Was können sie damit beeinflussen?
Das StuPa wird in der Öffentlichkeit als Repräsentation der Studierendenschaft wahrgenommen. Der Wille der Studierenden wird in der Öffentlichkeit wahrgenommen. Daher sollten sich Studierende überlegen, wer mit ihrer Stimme sprechen darf und diese jemandem anvertrauen, der sie ernst nimmt und nicht z.B. einen Antrag über die Sichtachsen vom HU-Hauptgebäude zum Stadtschloss annimmt.
Weiterhin sollte man wählen gehen, weil es das Geld der Studierenden ist, das vom StuPa verwendet wird.
Außerdem haben Studierende durch die Wahl einen Einfluss auf die generelle Unipolitik und politische und organisatorische Entscheidungen. Denn welche Veranstaltungen und Initiativen es gibt, wird im Wesentlichen von StuPa und RefRat kontrolliert.
Letztendlich wird durch eine hohe Wahlbeteiligung die Repräsentativität der Wahlen und die Legitimität des StuPa erhöht. Das StuPa wird sich mehr im Sinne der Studierenden entscheiden, wenn es tatsächlich ungefähr die Ansichten der Studierenden repräsentiert und nicht nur eine kleine Minderheit vertritt.

Kandidierende

1. Laura Wartschinsik, M.Sc. Informatik
„Ich studiere Informatik im 3. Mastersemester und interessiere mich besonders für Netzwerksicherheit. Seit drei Jahren organisiere ich in der Hochschulgruppe für Säkularen Humanismus regelmäßig Veranstaltungen zu Themen wie Menschenrechte, Rationalität, Wissenschaft und Meinungsfreiheit. Dadurch kam ich mit Stupa und RefRat in Kontakt. Nach einem Jahr im Stupa bin ich fest davon überzeugt, dass dieses Parlament viel transparenter und nachvollziehbar arbeiten sollte – und vor allem fakten- und lösungsorientiert für die Belange der Studierenden, nicht für ideologische Identitätspolitik.“

2. Alexander Trettin, M.Sc. Physik
„Ich studiere seit 5 Jahren Physik an der HU und engagiere mich seit zwei Jahren in der Hochschulgruppe für Säkularen Humanismus. Durch diese Arbeit, bei der ich bei der Organisation vieler Events an der Hochschule beteiligt war, gewann ich mehr und mehr Einblicke in die Hochschulpolitik, von der ich vorher während meines Studiums nur äußerst wenig mitbekommen habe. Ich möchte mich dafür einsetzen, dass das StuPa zum einen die Interessen der Studierenden besser vertritt und sich und seine Arbeit öffentlichkeitswirksam bewirbt. Ich möchte, dass bei mehr Studierenden ein Bewusstsein dafür geschaffen wird, dass es die Hochschulpolitik gibt und sie sich daran beteiligen können. Für mich steht bei der politischen Arbeit im Vordergrund, dass praktische, für möglichst viele Studierende nützliche Maßnahmen ergriffen werden, um ihnen ein erfolgreiches Studium zu ermöglichen und eine angenehme Lern- und Arbeitsatmosphäre zu gewährleisten.
Als Teil der LGBT*-Community stelle ich mich gegen jede Form von Diskriminierung aufgrund Geschlecht, Rasse, Religion oder sexueller Orientierung. Gleichzeitig möchte ich nicht, dass der Kampf gegen Diskriminierung von einer Gruppe als Knüppel gegen eine andere Gruppe verwendet wird, da dies meiner Meinung nach die negative Diskriminierung nicht beendet, sondern nur die Positionen vertauscht. Ich möchte als Humanist, dass jeder Mensch als Individuum nach seinen oder ihren individuellen Qualitäten bewertet wird.“

3. Nicola Wiggers, B.A. Sozialwissenschaften
„Ich bin neben meinem Studium der Sozialwissenschaften in den letzten zwei Jahren in mehreren Hochschulgruppen engagiert gewesen. In dieser Zeit habe ich in verschiedenen Situationen den Eindruck gewonnen, dass die Interessen vieler Studierender vom Stupa ignoriert werden.
Ich stelle mich zur Wahl, da ich das tun möchte, was ich mir von Studierendenvertreter*innen immer gewünscht habe:
Nah an den Studierenden sein, ihren Herausforderungen und Wünschen Gehör schenken, mich für sie einsetzen und in schwierigen Situationen Unterstützung leisten.
Gleichzeitig möchte ich mehr Menschen dazu verhelfen, sich aktiv einzubringen. Durch verstärktes gemeinsames Engagement können wir die Uni nach unser aller Vorstellungen mitgestalten und in einen lebenswerteren Raum mit einer besseren Lernatmospäre verwandeln.“

4. Tobias Wolfram, M.Sc. Statistik
„2012 habe ich mein Studium der Sozialwissenschaften an der HU begonnen und seit 2015 bin ich im Master Statistik mit Fokus auf Machine Learning. Als kritischem Rationalisten liegt mir viel am freien, fundierten und offenen Diskurs, ganz gleich ob in wissenschaftlichen oder politischen Belangen. Dass StuPa und RefRat seit Jahren von einer elitären, illiberalen und regressiven Minderheit kontrolliert werden, welche jeden, der von ihrer Dogmatik abweicht, als Rassist*in, Sexist*in oder Faschist*in denunziert, ist ein Skandal: So wird ein Klima der Angst geschaffen, in dem das Primat der Macht das des besseren Argumentes aussticht. 2018 ist das Jahr, in dem jeder Student, der an sachorientierter Politik und einer offenen Diskussionskultur an dieser Uni interessiert ist, die Chance hat, an diesen Missständen ernsthaft etwas zu ändern.“

5. Lea Jacobs, B.Sc. Mathematik
„Ich studiere in meinem 5. Semester an der HU und bekomme so gut wie nichts von der Arbeit der StuPas (oder dessen Existenz) mit. So geht es auch meinen Kommilitonen in Adlershof und dagegen möchte ich mich einsetzen – als Studierendenschaft haben wir ein Recht darauf, zu erfahren, was unsere Vertretung tut. Darüber hinaus möchte ich mich für bessere Studienbedingungen einsetzen, z.B. für mehr Arbeitsplätze in den Bibliotheken, gegen unzulässige Anwesenheitskontrollen und für breite(re) Beratungsangebote zum Studium.“

6. Thomas Moispointner, Philosophie

7. Michael Tezak, B.A. Philosophie/ Volkswirtschaftslehre
„Ich habe aufgrund meines Interesses für kritisch und rational geleiteten Diskurs zur Hochschulgruppe für Säkularen Humanismus gefunden. Gerade im Stupa scheint ein gewisser Mangel an freier und vernunftsgeleiteter Diskussionskultur zu herrschen. Dies ist verblüffend, da es in keiner Weise ein Abbild der vielfältigen HU-Studentenschaft im Allgemeinen liefert. Ich wünsche mir ein Parlament das tatsächlich repräsentativ wirkt und seinen Fokus auf das Individuum setzt, anstelle von eng gefassten Identitätsgruppen.“

8. Andrii Zakharov, M.Sc. Statistik
„Ich studiere seit über 5 Jahren an der HU, zuerst im Bachelor Psychologie, jetzt im Master Statistik. In dieser Zeit habe ich kaum etwas von der Arbeit des StuPas mitbekommen, auch wenn ich wusste, dass es so etwas gibt. Mein Anliegen ist es daher, dass sowohl Studierende besser über diese Arbeit informiert werden, als auch das StuPa besser auf die aktuellen Bedürfnisse der gesamten Studierendenschaft mit seiner Arbeit eingeht.“

Kontakt